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Kommt das Grundrecht auf Discounter?

Nicht die Edeka-Märkte, die Rewe Filialen oder die selbstständigen kleinen Einzelhändler sind die wirklichen Erbfolger von "Tante-Emma", sondern die Discounter sind es!
Ich lebe mit meiner Familie in einem kleinen Ort in Niedersachsen mit knapp 2.000 Einwohnern. Der Ort hat einen in der gesamten Gemeinde anerkannten und geschätzten Supermarkt, der seit seiner Gründung durch Kundenorientierung, freundliches Personal und großzügige und freundliche Gestaltung einen unaufhaltsamen Aufstieg erlebt hat.

Seit Jahren ist neben diesem Supermarkt eine Discounter-Filiale geplant. Diese Planung wurde zuletzt von der Gemeindeverwaltung mit dem Argument in Frage gestellt, die Grundversorgung der Bevölkerung sei durch den Supermarkt ausreichend gedeckt.
Dem widerspricht die Ortsverwaltung vehement und argumentiert, daß die Grundversorgung für alle Familien ohne Auto NICHT ausreichend gesichert sei. Das Hauptargument dabei ist das Preisniveau des Supermarktes ....

Mit anderen Worten: Das Preisniveau eines Supermarktes ist zu hoch!
Nach 50 Jahren Discounter-Geschichte in Deutschland hat sich das Handelsformat zum klassischen Nahversorger für jedermann entwickelt und entsprechend gewandelt. Nicht die Edeka-Märkte, die Rewe Filialen oder die selbstständigen kleinen Einzelhändler sind die wirklichen Erbfolger von "Tante-Emma", sondern die Discounter sind es!

An die Stelle der Beratung, der persönlichen Betreuung und des an den Wünschen der Anwohner orientierten Sortimentes ist die schlichte Handelsfunktion getreten: die Ware so effizient wie möglich nahe genug an den Verbraucher zu bringen. All das, was "Tante Emma" einmal ausgemacht hat, sind zusätzliche "Features" geworden, die zu bezahlen offensichtlich einem eingeschränkten Kreis der Bevölkerung vorbehalten bleibt.

Natürlich ist der Geldbeutel des "kleinen Mannes" nur das Feigenblatt für den üblichen Verteilungskampf, der in seiner Spitze Projekte wie Stuttgart 21 hervorbringt. Die Einen wollen die Profilierung ihres eigenen Standortes. Selbst der Supermarktbetreiber soll Anhänger der Ansiedelung eines Discounters sein, weil er zu Recht auf die Erweiterung des Einzugsbereiches des Standortes spekuliert. Die Gegner hingegen fürchten bezeichnenderweise hinter vorgehaltener Hand die Gefährdung der existierenden Nahversorgung anderer Orte (natürlich durch Supermärkte!!!) und den Abzug von Kaufkraft zentraler Standorte, die bereits den Mix aus Supermärkten und Discountern haben.

Wenn sich die Befürworter langfristig durchsetzen, dann müßten alle weiteren Orte ebenfalls mit Ansiedlungen eines discountierenden Nahversorgers gleichziehen. Und welches Argument werden sie dann anführen, wenn wieder der natürliche Abzug von Kaufkraft von den anderen Standorten droht? Wahrscheinlich bleibt dann nur noch das Grundrecht jedes Einzelnen auf einen Discounter in Reichweite von 5 Gehminuten ......



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