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Sicher durch die Krise

"Hatte die Linke doch recht?" fragt sich im Juli einer der angesehensten konservativen britischen Publizisten und Biograph von Margret Thatcher, Charles Moore, angesichts Finanzkrise, Murdoch Skandal und den schweren Unruhen in London im Daily Telegraph. Er ist nicht alleine mit der Sorge um den gegenwärtigen Zustand von Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Antwort auf seine Frage bleibt Charles Moore seinen Lesern schuldig. Er erzählt vielmehr von einem kürzlichen Besuch in den USA und seinen Gesprächen mit "intelligent conservatives". Er genießt die Kritik seiner Gesprächspartner an der Ausgabenpolitik von Präsident Obama. Gleichzeitig ist er betroffen ("struck") von dem "schrillen" Neuaufguß der Wirtschaftsideologie der Reagan Ära.

Dabei müßte jeder, der die Diskussion um die Ausweitung der Schuldenobergrenze in den USA mit Sachverstand verfolgt hat, mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen sein, daß die tiefere Ursache für die neue Krise die überkommenen Paradigmen starrer Ideologien sind.

Frank Schirrmacher von der FAZ ist so jemand. Am 15. August schreibt er, daß es "heute nicht allein um falsches oder richtiges politisches Handeln" geht, sondern darum, daß "die Praxis dieser Politik ("enthemmter Finanzökonomie") wie in einem Echtzeitexperiment belegt, daß die 'bürgerliche' Politik falsch ist und die Annahmen ihrer größten Gegner richtig sind". Durch die eigene Erkenntnis erschrocken schreibt er: "Es gibt Sätze, die sind falsch. Und es gibt Sätze, die sind richtig. Schlimm ist, wenn Sätze, die falsch waren, plötzlich richtig werden. Dann beginnen die Zweifel, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang."

Schließlich nimmt Frank Schirrmacher ebenso wir Charles Moore kopfschüttelnd zur Kenntnis, daß sich die verantwortlichen Politiker hinter vermeintlichen Sachzwängen verstecken, anstatt die ihnen verliehene Macht dafür einzusetzen, etwas zu ändern. Kommt Ihnen das aus der betrieblichen Praxis bekannt vor?

Meine eigenen Erfahrungen bestätigen den Tatbestand in vielen Unternehmen. Die Ursachen dafür mögen komplex sein. Eine Entschuldigung für das Ausbleiben von energischem und unkonventionellem Handeln in der Krise sind sie nicht.

In diesen Tagen ist mein großes Vorbild Steve Jobs von der Geschäftsführung von Apple zurückgetreten. Sein Geheimnis war eine nahezu perfekte Mischung aus weitsichtigem Visionär und in klaren Prozessen denkendem Manager. In einem Interview zur Veröffentlichung des iPads wurde Jobs gefragt, wieviel Markforschung Apple vor dem Launch des iPads gemacht habe. Seine Antwort: "Keine. Es ist nicht die Aufgabe der Kunden, darüber nachzudenken, was sie gerne hätten."

Die wenigsten Unternehmen werden mit einer Führung ausgestattet sein, die sich dieses Selbstverständnis leisten kann. Nur ist das ganz sicher keine Begründung für das Verharren in alten Mustern und Paradigmen. Wer heute sein Unternehmen sicher durch die Krise führen möchte, muß sein eigenes Wissen darüber erarbeiten, was seine Kunden gerne hätten. Denn egal wie Apple zu seinen Erkenntnissen gekommen ist, der Erfolg des Unternehmens basiert auf Produkten und Angeboten, die an den Wünschen der Kunden perfekt entsprechen. Die Tatsache, daß Apple zur Erreichung dieses Ziels ganze Geschäftsmodelle revolutioniert hat, ist nur ein Zeichen für den Willen und die Überzeugung, das Richtige zu tun.

In Anlehnung an Frank Schirrmacher gilt deshalb auch für das betriebliche Management: Wenn die Erkenntnisse, die einmal richtig waren, plötzlich falsch werden, dann muß man nach den Sätzen handeln, die möglicherweise einmal falsch waren und plötzlich richtig werden. Denn die Realität kennt nur eine Zeitform: die Gegenwart!
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